Ein Impuls von Chris
Warum bin ich so hart zu mir selbst? Den inneren Kritiker verstehen
Wenn du hart zu dir bist, lohnt sich zuerst ein Blick auf den genauen Satz: Benennst du ein Verhalten – oder verurteilst du dich als ganzen Menschen? „Ich habe etwas vergessen“ beschreibt einen Vorgang. „Auf mich ist nie Verlass“ macht daraus ein Urteil über dich. An diesem Unterschied setzt die folgende Übung an.
Stell dir vor, du hast auf eine wichtige Nachricht nicht geantwortet. Jetzt meldet sich die andere Person noch einmal. Du möchtest das klären. Gleichzeitig sagst du dir: „Wie kann man nur so unzuverlässig sein?“ Die ausstehende Antwort und dein Umgang mit dir sind zwei verschiedene Dinge.
Woher kommt dieser strenge innere Ton?
Es gibt keine Erklärung, die für alle passt. Vielleicht erinnert dich der Ton an frühere Bewertungen. Vielleicht möchtest du einen Fehler unbedingt vermeiden oder glaubst, dass du nur unter Druck zuverlässig bist. Das sind mögliche Fragen an deine Erfahrung, keine Diagnose deiner Vergangenheit. Aus einem harten Gedanken lässt sich nicht ableiten, warum du so geworden bist.
Du kannst zunächst bei der heutigen Situation bleiben: Wann wird der Ton streng? Was verlangst du gerade von dir? Und was befürchtest du, wenn du freundlicher reagierst?
Selbstkritik oder Selbstabwertung: ein konkreter Unterschied
- Konkret: „Ich habe die Antwort vergessen. Ich möchte mich entschuldigen.“
- Pauschal: „Ich enttäusche immer alle.“
- Konkret: „Für diese Aufgabe brauche ich mehr Vorbereitung.“
- Pauschal: „Ich bin einfach unfähig.“
Eine faire Beschreibung lässt offen, was du als Nächstes tun kannst. Sie macht den Fehler weder größer noch kleiner. Welche Beschreibung trifft deine Situation?
Eine Übung: vom Urteil zum nächsten Schritt
- Wähle einen überschaubaren Moment. Etwa eine vergessene Antwort, nicht dein schwierigstes Lebensthema.
- Notiere deinen genauen Gedanken. Zum Beispiel: „Ich enttäusche immer alle.“
- Beschreibe das Ereignis ohne dieses Urteil. „Ich habe seit drei Tagen nicht geantwortet.“
- Frage dich: Was sagt mein Herz dazu? Vielleicht: „Mir ist dieser Kontakt wichtig. Ich melde mich heute.“ Suche deine eigenen Worte.
- Wähle eine Handlung. Eine Antwort schreiben, etwas korrigieren oder um Unterstützung bitten.
Die Beispiele sind keine Vorgaben. Vielleicht wäre dein ehrlicher Satz: „Ich brauche gerade Zeit, bevor ich antworte.“ Auch eine Grenze kann freundlich sein.
Was, wenn ich fürchte, ohne Härte nachlässig zu werden?
Prüfe es an einer kleinen Aufgabe: Welche konkrete Vereinbarung möchtest du mit dir treffen? „Ich antworte nach dem Mittagessen“ ist überprüfbar. „Ich muss endlich ein besserer Mensch werden“ gibt dir dagegen keine klare Handlung. Am Abend kannst du schauen, was funktioniert hat und was du anders planen möchtest.
Kann ich meinen Gedanken mit The Work untersuchen?
Ja, du kannst einen belastenden Gedanken zum Ausgangspunkt einer Untersuchung machen. Bei The Work gehören vier Fragen und anschließend Umkehrungen zum Ablauf. Es geht nicht darum, einen negativen Satz einfach durch sein positives Gegenteil zu ersetzen. Die Methode und Arbeitsblätter findest du auch bei Byron Katie.
Wenn du zuerst einen freundlichen Umgang mit einem schwierigen Moment ausprobieren möchtest, findest du hier eine Übung zum Selbstmitgefühl.
Diese Einladung zur Selbstreflexion ersetzt keine Behandlung. Wenn dich deine Gedanken anhaltend stark belasten oder deinen Schlaf und Alltag beeinträchtigen, wende dich an eine ärztliche oder psychotherapeutische Fachperson. Du kannst jede Übung unterbrechen.
Deinen eigenen liebevollen Gedanken finden
Die sieben kostenlosen Tage geben dir dafür einen Rahmen: Impulse per E-Mail führen dich zu den Übungen auf der Website. Du probierst aus, welche Worte wirklich zu dir passen.
