Ein Impuls von Chris
Was sind liebevolle Gedanken? Beispiele und eine kleine Übung
Ein liebevoller Gedanke ist ein Satz, mit dem du dir oder einem anderen Menschen freundlich und ehrlich begegnest. Er kann dich ermutigen, eine Schwierigkeit anerkennen oder eine Grenze ausdrücken. Er muss nicht positiv klingen. Entscheidend ist, ob du in deiner konkreten Situation etwas Wahres in ihm findest.
Mit „Liebe trainieren“ meine ich: dieser Haltung im Alltag immer wieder Raum geben. Nicht möglichst viele schöne Sätze sammeln, sondern mit einem eigenen Gedanken leben und schauen, was er für dich bedeutet.
Wie klingt ein liebevoller Gedanke im Alltag?
Stell dir vor, du hast eine Verabredung vergessen. „Auf mich ist einfach kein Verlass“ ist ein hartes Urteil über deine ganze Person. „Ist doch alles egal“ würde die Situation übergehen. Ein anderer Satz könnte sein: „Ich habe etwas vergessen. Ich kann mich entschuldigen und eine Erinnerung eintragen.“ Du nimmst Verantwortung wahr, ohne dich abzuwerten.
- Wenn etwas misslingt: „Dieser Versuch hat nicht geklappt. Ich kann einen nächsten Schritt finden.“
- Wenn du erschöpft bist: „Ich darf ernst nehmen, dass ich eine Pause brauche.“
- Wenn du eine Grenze brauchst: „Ich kann Nein sagen und dabei respektvoll bleiben.“
- Wenn du dich vergleichst: „Ich sehe gerade nur einen Ausschnitt vom Leben der anderen.“
- Wenn du jemanden vermisst: „Dieser Mensch ist mir wichtig. Heute fehlt er mir.“
Das sind Beispiele, keine Sätze zum Übernehmen. Vielleicht spricht dein Herz ganz anders. Ein schlichter Satz in deiner eigenen Sprache ist ein guter Anfang.
Wenn eine dieser Situationen gerade zu dir passt: „Ich bin nicht gut genug“ genauer anschauen, mit Vergleichen umgehen oder freundlich Nein sagen.
Was ist der Unterschied zu positivem Denken?
Positiv und liebevoll schließen sich nicht aus. Aber ein liebevoller Gedanke braucht kein gutes Ende zu versprechen. „Alles wird gut“ kann tröstlich sein – oder sich gerade weit weg anfühlen. „Ich kann mir für heute Unterstützung holen“ bleibt näher an einer Handlung, die möglich ist.
Auch Traurigkeit, Ärger und Enttäuschung haben hier Platz. Freundlich mit dir umzugehen bedeutet nicht, jedes Verhalten anderer Menschen gutzuheißen. Mehr dazu findest du im Beitrag Warum positive Affirmationen manchmal nicht passen.
Wie finde ich meinen eigenen liebevollen Gedanken?
- Wähle einen kleinen Moment. Zum Beispiel eine Nachricht, die dich heute beschäftigt hat. Für den Einstieg eignet sich etwas Alltägliches, nicht dein schwierigstes Lebensthema.
- Schreibe auf, was du dir dazu sagst. Ein Satz genügt.
- Frage dich: Was sagt mein Herz gerade? Welche Worte wären zugleich freundlich und ehrlich?
- Prüfe deine Worte. Passen sie wirklich? Wenn nicht, ändere sie. Vielleicht ist ein konkreter nächster Schritt hilfreicher als ein großer Satz.
- Nimm den Gedanken mit. Lies ihn später noch einmal und frage dich am Abend: Wo hat er heute zu mir gepasst?
Muss ich dabei sofort etwas fühlen?
Es gibt kein vorgeschriebenes Gefühl. Vielleicht berührt dich dein Satz, vielleicht bleibt er zunächst nur ein Satz. Beides kann Teil des Ausprobierens sein. Du entscheidest, ob du ihn behältst, veränderst oder die Übung beendest.
Ist das Selbstmitgefühl oder The Work?
Es gibt Berührungspunkte: Kristin Neff beschreibt Selbstmitgefühl als einen freundlichen, achtsamen Umgang mit eigenen Schwierigkeiten, verbunden mit dem Wissen, dass Unvollkommenheit zum Menschsein gehört. Mein Ausdruck „liebevolle Gedanken“ bezeichnet hier eine Alltagspraxis, kein wissenschaftlich geprüftes Behandlungsverfahren. Mehr zur Einordnung von Selbstmitgefühl bei Kristin Neff.
Bei The Work untersuchst du einen belastenden Gedanken mit vier Fragen und Umkehrungen. Einen liebevollen Gedanken im Alltag zu üben ist ein anderer Schritt. Er soll die Untersuchung nicht durch einen positiven Gegengedanken ersetzen.
Liebe trainieren – sieben Tage zum Kennenlernen
Wenn du das mit Begleitung ausprobieren möchtest, lade ich dich zu sieben kostenlosen Tagen ein. Du erhältst Impulse per E-Mail und Links zu den Übungen auf der Website. Dort findest du Raum für deinen eigenen liebevollen Gedanken und zum Nachspüren. Eine App brauchst du dafür nicht.
Für einen kleinen Anfang heute: Wie kann ich liebevoller mit mir umgehen?
